Weltcup Voltigieren: Deutsche Athleten vorne

Die deutschen Voltigierer haben beim Weltcup in Leipzig überzeugt. Die Schützlinge von Bundestrainerin Ulla Ramge und Disziplintrainer Kai Vorberg turnten bei der 20. Auflage der PARTNER PFERD zu einem sensationellen Dreifach-Triumph:

Die deutschen Voltigierer haben beim Weltcup in Leipzig überzeugt. Die Schützlinge von Bundestrainerin Ulla Ramge und Disziplintrainer Kai Vorberg turnten bei der 20. Auflage der PARTNER PFERD zu einem sensationellen Dreifach-Triumph: Kristina Boe (Hamburg), Daniel Kaiser (Delitzsch) und Theresa-Sophie Bresch und Torben Jacobs (Köln) sorgten damit bei der letzten Qualifikationsetappe der Winter-Saison 2016/17 für schwarz-rot-goldene Glückseligkeit und setzten zugleich ein deutliches Zeichen in Hinblick auf das Finale in Dortmund im März.

Ulla Ramge strahlte nach dem entscheidenden zweiten Umlauf in der Messehalle eins, bei dem die Bundeskader-Athleten für einen souveränen Dreiklang der Nationalhymne gesorgt hatten, bei der Pressekonferenz über beide Ohren. „Ich bin überwältigt. Unsere Athleten haben ihre Leistung hier auf den Punkt abgerufen. Ich bin sehr zuversichtlich für das Finale in Dortmund“, sagte die Warendorferin.
Besonders beeindruckend war das Auftreten von Kristina Boe. Die 28-Jährige aus Hamburger war erst auf den letzten beiden Qualifikations-Stationen dieses Weltcups ins Rennen um die Final-Plätze eingestiegen und musste zwei Top-Ergebnisse einfahren. Einen Aussetzter durfte sich die Vize-Weltmeisterin und CHIO-Aachen-Siegerin anno 2016 somit nicht erlauben. Damit pokerte die Weltcup-Zweite des Vorjahres hoch – und gewann in beachtlicher Manier. Mit ihrem Pferd Don de la Mar und Longenführerin Winnie Schlüter voltigierte die Unfall-Chirurgin zu 8,469 Punkten und somit zum souveränen Sieg vor der Italienerin Silvia Stopazzini (8,212) und der Schweizerin Nadja Büttiker (7,893). Mitfavoritin Anna Cavallaro aus Italien, die die Quali-Stationen in Madrid und Salzburg gewonnen hatte, kam in Leipzig nur auf Rang vier (7,791). Regina Burgmayr (Ingelsberg) landete mit Adlon und Longenführer Alexander Hartl auf Platz fünf (7,551) und verpasste damit die Qualifikation für das Finale.
Die Titel-Anwärterin Boe hingegen setzte beim ersten direkten Aufeinandertreffen mit Top-Favoritin Cavallaro ein deutliches Ausrufezeichen und fügte ihrem Triumph in Mechelen 15 weitere Qualifikations-Punkte hinzu. Die Norddeutsche vom Reit- und Fahrverein Kirchwärder glänzte einmal mehr mit einer äußerst frei geturnten Choreografie in ihrer Zombie-Kür. „Ich habe gar keine Möglichkeit, auf Sicherheit zu gehen. Ich muss immer durchziehen, volles Risiko gehen und absolut konzentriert turnen“, gab sie zu Protokoll. Das gelang ihr in Leipzig, obwohl sich „Donnie“ laut Schlüter „ganz schön beeindruckt von der Atmosphäre zeigte“. Die Messehalle war beim Highlight der Pferdeakrobaten mit 8.000 Zuschauern nahezu voll besetzt und bot eine beeindruckende Kulisse, die viele Athleten im Zirkel beflügelte, es den Vierbeinern jedoch nicht immer leicht machte.

Besonders beflügelt fühlte sich in Leipzig der Lokalmatador Daniel Kaiser. Der amtierende Weltcup-Gesamtsieger aus Delitzsch, dessen Pferd Down Under derzeit pausieren muss, trat mit Sir Bernhard RS von der Wintermühle – dem Pferd von Kai Vorberg – und Longenführerin Nina Vorberg an. Beim Weltcup in Belgien Ende Dezember war der 30-Jährige mit der kurzfristigen Umstellung auf den 15-jährigen Schimmel noch nicht zurecht gekommen, beendete die Station enttäuscht mit Platz vier und musste in Leipzig nun ein gutes Ergebnis erzielen, um das Ticket für Dortmund sicher zu lösen. Das gelang dem Sachsen aufgrund einer akribischen Vorbereitung auf das Heimspiel in Leipzig. Drei Tage trainierte der 30-Jährige in dieser Woche unmittelbar vor dem Weltcup-Turnier im Leistungszentrum in Warendorf und landete im ersten Umlauf auf Platz zwei hinter Landsmann Jannik Heiland (Hamburg). Der 24-Jährige setzte sich zum Auftakt mit seinem Pferd Rockard H und Longenführerin Winnie Schlüter mit einer teilweise bereits neuen Kür an die Spitze des hochkarätigen Starterfeldes. Im finalen Umlauf konnte sich Kaiser im Vergleich zum Vortag noch einmal deutlich steigern und sicherte sich mit der Tageswertung von 8,748 Punkten noch den Sieg (8,634) vor Heiland (8,558). Der Italiener Francesco Bortoletto kletterte mit 8,118 Punkten auf den ersten Weltcup-Podestplatz seiner Karriere vor dem Qualifikations-Führenden Lukas Heppler (Sieger von Madrid und Salzburg) aus der Schweiz und Wildcard-Teilnehmer Erik Oese aus Dresden. Neben Heiland und Kaiser ist auch Sportsoldat Jannis Drewell aus Steinhagen für das Aufeinandertreffen der Top-Sechs in Dortmund qualifiziert. Damit stellt Deutschland beim Finale die Hälfte der qualifizierten Athleten. Bei den Damen wird neben Boe auch die Neusserin Janika Derks die deutschen Farben vertreten.

Im Pas-de-Deux standen in Leipzig am Ende zwei Routiniers auf dem Sieger-Podest. Torben Jacobs und Theresa-Sophie Bresch, die für das Team Norka des VV Köln-Dünnwald am Start sind, sicherten sich in Leipzig mit Neuling Picardo an der Longe von Patric Looser ihren ersten Weltcup-Sieg. Besonders glänzen konnte das Duo, das im Jahr 2011 in dieser Konstellation den EM-Titel gewonnen hatte, im ersten Durchgang. Mit einer Hommage an die damalige Gold-Kür zum Thema „Schwanensee“ verbuchten die Rheinländer phänomenale 8,859 Punkte. In Umlauf zwei zeigte sich Picardo etwas beeindruckter von der Kulisse. „Wir mussten heute sehr kämpfen, es war nicht die gewünschte Harmonie“, berichtete Bresch. Der Vorsprung vom Auftakt reichte am Ende dennoch zum deutlichen Sieg (8,615) und für die Qualifikation für das Finale Anfang März in den Westfalenhallen. Bis dahin wollen sich die Kölner mit gezielten Trainingseinheiten auf ein noch konstanteres Niveau bringen. „In den kommenden Wochen bis zum Weltcup-Finale werden wir noch an der Harmonie feilen und hoffentlich dann zwei Mal unsere Leistungen abrufen können“, sagte Jacobs. Team-Manager Fritz Prommersberger, der zusammen mit Norka-Geschäftsführer Martin Stäcker angereist war, sprach von einem historischen Moment für die Kölner Equipe, die kürzlich eine fünfjährige Kooperation mit dem Lichttechnik-Spezialist und FN-Partner unterzeichnet hatte. „Wir sind hier in Leipzig erstmals als Team Norka aufgetreten und sind überzeugt, dass dies der Beginn einer Partnerschaft ist, die große Strahlkraft auf den gesamten Voltigiersport haben wird“, sagte Prommersberger.
Die zweite Pas-de-Deux-Tageswertung gewannen die Italiener Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupacchini (gesamt 8,271). Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes, die am ersten Tag mit Dragoner und Longenführerin Claudia Döller-Ossenberg-Engels auf Rang zwei voltigierten, rutschten im finalen Durchgang auf Platz drei ab (7,786), lösten aber dennoch die Fahrkarte nach Dortmund. FN

 

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