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Hufspuren im Schnee

Pferde sollten auch im Winter an die frische Luft dürfen, wo sie mit ihren Artgenossen im Schnee herumtoben können. Foto: Sarah Evers

Dank richtiger Vorbereitung sicher durch den Winter reiten

Laut Kalender hat der Winter angefangen, doch der Schnee lässt in Schleswig-Holstein noch ein wenig auf sich warten. Dennoch haben Autos längst Winterreifen und Menschen gehen nur noch mit warmen Schuhwerk vor die Tür. Auch für die Trittsicherheit der Pferde bei Eis und Schnee muss in den Wintermonaten rechtzeitig gesorgt werden. Welche Maßnahmen für sicheres Reiten und den Weidegang getroffen werden können, weiß Hufschmied Thomas Milkereit aus Quaal bei Bad Segeberg.

 

Ausritte durch die verschneite Winterlandschaft und Pferde, die ausgelassen über schneebedeckte Weiden toben – für Pferdefreunde kann der Winter eine besonders schöne Zeit sein. Doch die Rutschgefahr auf vereisten Böden und Schnee, der sich zwischen den Hufeisen sammelt, können eine ernstzunehmende Gefahr für Pferd und Reiter darstellen. Insbesondere bei beschlagenen Pferden kommt es im Schnee häufig zum sogenannten „Aufstollen“. Der Schnee klebt zwischen den Hufeisen zusammen und wird zu einem harten Eisklumpen, der ein sicheres Auftreten unmöglich macht. Um das dadurch entstehende Verletzungsrisiko zu senken, rät Thomas Milkereit dazu, bei Pferden mit Beschlag vom Hufschmied rechtzeitig Hufgrips anbringen zu lassen. „Hufgrips sind schlauchartige Gummieinlagen, die am inneren Rand des Hufeisen entlang führen und zwischen Huf und Eisen genagelt werden. Bei einem Ritt durch den Schnee bewirken sie, dass der eingeballte Schnee beim Abheben der Hufe vom Boden wieder herausgedrückt wird“, erklärt Thomas Milkereit. Die Hufgrips gibt es in unterschiedlicher Qualität, die Einfluss auf die Haltbarkeit, Effektivität und den Preis hat. Thomas Milkereit verwendet hochwertige Hufgrips aus Kautschuk, für die er eine Haltbarkeit von über zwei Beschlagsperioden garantieren kann, obwohl sie häufig noch länger halten. Die Kosten für ein Paar liegen bei etwa 30 €.

Im Winter barhuf oder mit Eisen – darüber sollte sich jeder Pferdehalter in Abspache mit dem Hufschmied rechtzeitig Gedanken machen. Foto: pixabay

Ohne Eisen läuft sich‘s besser

Zusätzlich Stollen an die Eisen anzubringen, hält der Hufschmied nicht für sinnvoll: „Die veränderte Stellung der Hufe durch Stollen kann auf harten, gefrorenen Untergründen zu schwerwiegenden Verletzungen, wie einem Trachtenbruch, führen. Stollen sind eher für den Einsatz auf weichen und matschigen Böden, vor allem beim Springen, gedacht und sollten immer vorsichtig verwendet werden“. Besteht keine orthopädische Notwendigkeit für Eisen und gibt die Qualität der Hufe es her, empfiehlt der Hufexperte die Pferde im Winter ohne Eisen laufen zu lassen: „Die Pferde haben barhuf ein besseres Gefühl für den Untergrund und stellen sich gut auf die winterlichen Bodenverhältnisse ein. Pferde, die auf der Weide stehen, gewöhnen sich ohnehin nach dem Schneefall innerhalb von ein bis zwei Tagen an den neuen Untergrund und laufen meist entsprechend vorsichtig.“ Ob auf einen Beschlag verzichtet werden kann, sollte rechtzeitig mit dem Hufschmied besprochen werden, denn die Substanz des Hufs spielt bei der Frage, ob das Pferd barhuf oder mit Eisen durch den Winter geht, eine entscheidende Rolle. „Besonders wichtig ist, dass die Eisen frühzeitig, etwa Anfang November, abgenommen werden, damit sich der natürliche Schutz und die Härte der Hufe, die sich durch das Tragen der Eisen zurückentwickeln, über einige Wochen regenerieren können“, gibt Thomas Milkereit zu bedenken.

Hufgrips sind ein wirksames Mittel gegen das gefährliche „Aufstollen“ von Schnee zwischen den Hufeisen. Foto: Claudia Cochanski

Finger weg vom Huffet

Die Pflege der Pferdehufe unterscheidet sich im Winter nicht. Zusätzliche Pflege durch Huffet oder ähnliche Produkte hält Thomas Milkereit nicht für notwendig, oft sogar für schädlich: „Neben dem Auskratzen und –bürsten und der regelmäßigen Behandlung durch den Hufschmied sollte man die Hufe so natürlich wie möglich belassen. Gerade die Verwendung von Huffett kann negative Folgen haben. Millionen von winzig kleinen Rissen im Pferdehuf werden durch das Einfetten versiegelt und Bakterien, die sich hier sammeln, werden eingeschlossen. Eine regelmäßige Anwendung von Huffett kann zu einem Fäulnisprozess führen.“ Bei auftretenden Problemen mit der Substanz des Hufs, so Thomas Wilkereit, sollte ein Hufschmied zu Rate gezogen werden, um bei Bedarf mit Futterumstellungen oder entsprechenden Pflegemitteln entgegenzuwirken. Damit unbeschwerte Winteritte genossen werden können, sind neben der richtigen Vorbereitung der Hufen nach Ansicht des erfahrenen Hufschmieds noch weitere Maßnahmen zur Sicherheit zu berücksichtigen. „Wenn ein Pferd trotz gewissenhafter Vorbereitung der Hufe ausrutscht, kann es sich schwere Verletzungen zuziehen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass vor dem Ausritt, aber natürlich auch vor dem Reiten in der Halle, eine ausgiebige Erwärmungsphase stattfindet. Ist das Pferd gut erwärmt, kann dies im Ernstfall das Verletzungsrisiko erheblich verringern“ betont Thomas Milkereit. Er rät dazu gepflasterte und geteerte Wege und Straßen weitestgehend zu meiden und stattdessen auf Feldwegen und Wiesen zu reiten. Der Boden sollte vor dem Reiten und anschließend im Schrittempo getestet werden, um mögliche Gefahren besser abschätzen zu können. Und noch ein Hinweis liegt ihm besonders am Herzen: „Leider sind Reiter immer wieder in der winterlichen Dämmerung oder Dunkelheit nicht zu sehen, weil sie keine entsprechende Kleidung mit Reflektoren tragen. Dabei würde oft eine einfache Warnweste ausreichen, um Unfälle zu vermeiden“.

Indra Rojahn